Hier ein Bericht von Ilona und Bernd Blechschmidt:
Hallo liebe Frau Eisele,
Herzliche Grüße aus Neuruppin von Bernd und Ilona Blechschmidt .
Vom 12. bis 16. Oktober waren wir im Zusammenhang mit der Ahnenforschung in Serbien (Feketitsch)– in der alten Heimat unserer Mütter, es war ein tolles Erlebnis. Wir sind mit meiner Cousine Hildegard und Ihrem Mann Paul Dreisewerd mit dem Flugzeug nach Belgrad geflogen und haben dort ein Auto gemietet .
Überall wo wir hinkamen waren die Leute sehr hilfsbereit und freundlich, mit der Verständigung hat es besser geklappt als wir dachten .Mit ein wenig Englisch, Deutsch und Russisch sowie Hände und Füße haben wir eine Menge in Erfahrung gebracht .
Ein Apotheker hat uns zum Haus des Johann Breitwieser gebracht, der gut deutsch spricht und noch über hundert Ecken mit uns verwandt ist .
Meine Uroma Magdalena Bohr geb. Dinges ist eine Tante von Herrn Breitwieser.
Er ist inzwischen auch 80 Jahre alt, früher hat er der Oma Bohr ( geb. Dinges) viel im Haus geholfen, für Holz und Kohlen gesorgt und Ihr den ganzen Schriftkram erledigt, da sie nicht lesen und schreiben konnte. Er war es auch der sie beerdigt hat . Ohne ihn hätten wir das Grab nie gefunden, der ganze deutsche Teil des Friedhofes ist völlig verwildert .
Das Grab hatte nur ein Holzkreuz, dass mehr als 30 Jahren nach der Beerdigung verrottet ist .
Wir haben Herrn Breitwieser, seine Frau und Tochter Erika kennengelernt. Sie waren so gastfreundlich und hilfsbereit, sie haben frischen Maiskuchen gebacken – eine Köstlichkeit!
Das Haus der Oma Bohr existiert nicht mehr – auf dem Grundstück wurden zwei neue Häuser gebaut, die Nachbarin konnte sich aber gut an die Oma erinnern, denn mein Mann hatte ein altes Foto dabei. Alle waren so nett, sie wollten uns gleich zum Kaffee einladen.
Mit Johanns Hilfe haben wir dann auch das Geburtshaus meiner Mutter, Katharina, ihres Schwester Elisabeth und dem Bruder Karl Krebs gefunden. Meine Mutter hat sich natürlich sehr gefreut und auch das Haus erkannt - leider ist einiges verändert oder abgerissen. Später sind sie in die Nähe der alten Mühle gezogen die auch nicht mehr existiert. Dieses Haus wollten sie ursprünglich kaufen und sind darum nach Deutschland arbeiten gegangen – dann aber in Kränzlin in der Nähe von Neuruppin geblieben .
Meine Mutter hat den Arthesie Brunnen, die Kirchen sowie die Schule wiedererkannt . Sie konnte sich erinnern, dass es einen Weihnachtsmann in der Kirche gab vor dem sie solche Angst hatte, dass sie ganz allein aus der Kirche nach Hause gerannt ist, dort hat sie sich dann versteckt .
Das Bohr Haus stand neben dem Krebs Haus ( in der letzten Gasse ), viele Häuser sind in der Straße abgerissen oder umgebaut .Wir waren erstaunt wie groß Feketitsch ist, es geht heute in Sekitsch über. Leider war unsere Zeit zu kurz für die Ahnenforschung, so dass wir noch einmal hinfahren möchten . Hildegards Vater ( Toni Koch )stammt aus Kulpin, die Kirchenbücher konnten wir auf die Schnelle nicht ausfindig machen .
Der Friedhof in Kulpin sah zwar nicht so verwildert aus aber ein Grab der Familie Koch haben wir auch nicht gefunden.
So werden uns Wege mit Sicherheit noch einmal nach Feketitsch und Umgebung führen .
Wir bleiben in Kontakt mit Julia Pap von der Gemeinde Feketitsch, sie war sehr hilfsbereit.
Bericht von Helga Eisele/Vereinsvorsitzende
Liebe Landsleute der Heimatortsgemeinschaft Sekitsch – Feketitsch,
Liebe Leserinnen und Leser des Sekitscher Boten,
5 Jahre Gedenkstein auf dem Weingärtner Friedhof in Sekitsch und Gedenkfeier am 11. Juni 2010
Mein Reisebericht und die Tage in Sekitsch und Feketitsch. Ein kurzer Rückblick auf den Tag der Einweihung des Gedenksteins für die einstigen deutschen Einwohner von Sekitsch am 10.Juni 2005.Es hatte damals geregnet und viele liefen mit Schirm und betrübten Gesichtern den steilen Weg zum Weingärtner Friedhof hinauf. Das Wissen um die vielen Toten und die Menschen denen soviel Unrecht angetan wurde, hatte auch den Himmel betrübt. Allen voran schritt damals die Geistlichkeit und die Vertreter der Kommune Mali Idjos. In diesem Jahr am 11. Juni 2010 war die Gedenkfeier geprägt von einem freundlichen Miteinander und das herrliche warme Wetter hatte die Stimmung angehoben. Auch diesmal war die Geistlichkeit der drei Kirchengemeinden anwesend und die Vertreter der Kommune und die Ortsvertreter der Gemeinde Sekitsch (Lovcenac).Der Ablauf der Gedenkfeier war durch die Ortsgemeinde, durch den Verein „ Neuer Anfang „ und durch die Vertreter der Heimatortsgemeinschaft Sekitsch organisiert worden. Unsere Reisegruppe waren Gustav Becker geb. 1927 in Sekitsch,Gottfried Karbiner geb. 1942 in Sekitsch, Horst Wagner geb. 1941 in Sekitsch. Frau Renate Pfund und Frau Helga Wagner, und später kam ein Ehepaar aus Hedjesch dazu.So hatte ich, als Vereinsvorsitzende, doch eine Reisegruppemit einer guten Zusammensetzung an meiner Seite. Da Herr Becker noch immer sehr gut ungarisch und serbisch spricht, war er mir in vielen Unterhaltungen hilfreich zur Seite. Angefangen hat unser Tag mit einem kräftigen Frühstück im Kultur-haus in Feketitsch. Dort hatten wir unsere Zimmer und wohnten bis zur Abreise in Feketitsch. Für 10.30 Uhr war ein Empfang für uns im Rathaus in Sekitsch vorbereitet. Die Vertreter der Ortsgemeinde und die Geistlichen der Kirchen begrüßten uns. Anwesend war über die gesamte Zeit der Feierlichkeit zur 5.jährigen Gedenkfeier das Fernsehteam vom Sender Belgrad 2 und machte ein Interview über die Arbeit unseres Vereines. Nach dem ersten Wiedersehen und der Begrüßung im Rathaus war die Gedenkfeier für 11 Uhr auf dem Friedhof angesagt.Gemeinsam gingen wir alle wieder den steilen Aufstieg zum Wein-gärtner Friedhof und sammelten uns am Gedenkstein. Dort waren wir eine Gruppe von ca. 30 Personen. Es war ein schöner Anblick für uns, und ich war erleichtert, denn die Gärtnerin hatte tatsächlich auf den genauen Termin hin, die Grabfläche sauber gerichtet und den Blumenschmuck aufgestellt. Bei der Hauptversammlung am 24. April 2010 hatte uns Frau Ilse Dense, (geb. Becker in Sekitsch) spontan eine Spende von EUR 50,-übergeben, und darum gebeten, den Blumenschmuck für die folgende Gedenkfeier zu bezahlen. Die Gemeindeverwaltung Mali Jdjos vertreten durch Herrn Karoly Pal legte zum Gedenken für die Verstorbenen einen Kranz nieder.Zuerst wurden die Andachten durch die Vertreter der Kirchen- gemeinden gehalten. Reformierter Pfarrer Laszlo Harangozo,evangelischer Bischof Arpad Dolinszky aus Subotica, und orthodoxer Pfarrer Jovan aus Lovcenac. Mit dem Segen und dem gemeinsamen Gebet Vater unser im Himmel,geheiligt werde dein Name, wurde die Andacht beendet. Jetzt folgten die Ansprachen von Karoly Pal als Vertreter der Kommune Mali Idos und von mir, für den Verein der Heimat- ortsgemeinschaft Sekitsch – Feketitsch. ( Die Übersetzung in die jeweilige Sprache wurde von Herrn M. Lodi vom Verein Neuer Anfanggemacht.) Herr Karoly Pal brachte das Bedauern zum Ausdruck, daß dieses Unrecht und Leid den ehemaligen Bewohnern von Sekitsch angetan wurde, und durch die Flucht und Vertreibung eine so große Gemeinde mit ihren deutschen Bewohnern, ausgelöscht wurde. Er dankt allen, die in heutiger Zeit wieder kommen und streckt die Hand zur Begrüßung aus. Er fordert mit allen Vertretern der Kirche sowie der Kommune zu einem gemeinsamen Neuanfang auf. Es ist die Zeit gekommen, da über das Unrecht an der damaligen deutschen Bevölkerung gesprochen wird und sie sind bereit ihren Beitrag für die Versöhnung und das freundliche Miteinander zu erbringen. Die neue Generation soll sich für die Heimat ihrer Eltern und Großeltern interessieren und die jetzigen Bewohner sind jedem Besucher gegenüber freundlich und hilfreich im Finden seiner Wurzeln. Mein Beitrag zu der Andacht am Gedenkstein war folgender:
11. Juni 2010,
heute sind wir zusammen gekommen und wollen an 5 Jahre Gedenkstein auf dem Friedhof in Lovcenac, ehemals Sekitsch, und Heimat unserer Familien erinnern.Mit diesem Gedenkstein wollen wir für alle Sekitscher die verstorben sind unsere Erinnerung im Herzen aufrecht erhalten. Wir vom Verein der Heimatortsgemeinschaft Sekitsch /Feketitsch danken allen die uns in diesem Bemühen um Erinnerung unterstützen, und uns ihre Freundschaft zum Ausdruck bringen. Aus dem Gedichtezyklus Donauschwaben von unserem sehr geschätzten Landsmann Philipp Sandles möchte ich gerne ein paar Worte zur Heimat Sekitsch sagen.
Text: „ Heimweh „
Ist auch die Zeit davon geeilt, und mir die Heimat fern,
mein Sehnen doch bei ihr verweilt; ich hab` sie halt so gern.
Wenn auch das Licht des Auges bricht, und mich umgibt die Nacht,
noch endet meine Liebe nicht, sie wächst und wächst mit Macht.
Und wenn mir´s Herz im Leibe bricht -Erinnerung tut weh -
noch weicht der Heimat Zauber nicht, er lockt wie eh und je.
Noch ruht es nicht, mein müdes Herz, wenn auch die Hoffnung schwand.
Trotz tausendfach erlebtem Schmerz, schlägt es für´s Heimatland.
............
Nach dem Aufstellen der Kerzen und einem Gebet für die Verstorbenen haben wir den Friedhof verlassen.
Der Feierlichkeit auf dem Friedhof folgte ein gemeinsames Mittagessen um 12 Uhr im Kulturhaus in Sekitsch. An den Tischen begannen bereits wieder die Gespräche über das alte Sekitsch und die Gepflogenheiten. Da auch heute noch vieles dort so gekocht wird, wie zur Zeit unserer Eltern, erkennen wir die Donauschwäbische Küche und es schmeckt alles sehr gut. Ich mußte mich vor 12 Uhr kurz von meiner Reisegruppe trennen, da ich noch im Rathaus in Feketitsch zusammen mit Herrn Miklos Lodi, die Ausreisepapiere für die drei Gastkinder abholen mußte. Aber danach hatte auch ich Zeit das angebotene Mittagessen in Ruhe zu genießen. Dem Fernsehteam mußte ich mit einem weiteren Gespräch die Reise der drei Gastkinder und deren Aufenthalt in Deutschland berichten. Es folgte dann eine Einladung durch die Schuldirektorin Frau Jelica Tomasevic, für 18 Uhr in das Kulturhaus in Sekitsch.Dort wurde die 8.Klasse verabschiedet und es war ein Programm mit Aufführungen der Schüler aus Klasse 7 und Folkloregruppen. Zu Beginn der Veranstaltung wurde ich als Vorsitzende der HOG Sekitsch-Feketitsch durch die Schuldirektorin begrüßt und den Eltern und Schülern vorgestellt. Das Projekt des Schüleraustausches mit der HOG Sek.- Fek. wurde vorgestellt und mit Beifall zur Kenntnis genommen. Um 19 Uhr war der offizielle Teil der Feierlichkeit vorbei und meine Sekitscher Mitreisende hatten Lust auf ein Abendessen und einen guten Wein.Wir einigten uns rasch auf ein Abendessen im Gasthaus Pipatsch in Feketitsch. Das Essen ist wie immer sehr gut und Herr Kelemen als Hausherr, begrüßte uns herzlich. Er freut sich immer, wenn die Schwaben kommen, sagt er. Mit einem späteren Umtrunk noch im Kulturhaus in Feketitsch endete unser Tag. Auf die Nachfrage, was machen wir morgen, konnte ich sagen, daß jeder Reiseteilnehmer den Vormittag zur freien Verfügung hat.Denn am Samstag, den 12.Juni war ja in Feketitsch das alljährliche Fest der Kirsche. Alles um die Kirsche wird angeboten, da ja in Feketitsch diese herrlichen schwarzen Kirschen wachsen und auch angebaut werden. Den Vormittag verbrachte jeder mit eigenen Interessen. Besuche bei Freunden und Bekannten und auf dem Markt einkaufen. Ich war in Hedjesch, da ich ja die Gärtnerin noch bezahlen mußte, und dankte ihr für die schöne Gestaltung des Gedenkstein und der Grabfläche. Auch besuchte ich in Hedjesch zusammen mit Herrn Gustav Becker u. Frau Renate Pfund, sowie der Nachbarin Ida Kniss, wieder unsere liebe Christine Dudas (geb.Becker) sie ist die Halbschwester von Gustav Becker, und beide sind in Sekitsch geboren.Herr Becker hatte Tags zuvor, sein Elternhaus in der Affengasse in Sekitsch besucht. Um 14 Uhr mußten wir uns alle wieder im Kulturhaus in Feketitsch zum Mittagessen treffen. Eintopfsuppe mit weißen Bohnen und das herrliche Weissbrot dazu, die Sekitscher wissen wie gut das schmeckt.Es folgte um 14.30 Uhr wieder ein wichtiger Termin für die Vereinsarbeit. Wir hatten die Gastkinder mit Ihren Eltern zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Zum Kennenlernen und für letzte Fragen zu unserer Reise am nächsten Tag. Es gab köstliche Kuchen, gebacken von den Landfrauen der Ortsgruppe Feketitsch. Herr Becker hat uns das reichliche Kuchenangebot spendiert und somit die Vereinskasse der Landfrauen unterstützt. Dafür gab es dann auch von einer netten Ungarin ein herzliches Dankeschön. Zu dem Kaffeenachmittag kam auch Bürgermeister Robert Csore, denner hatte persönlich sich um dieses Projekt der Gastkinder gekümmert und die Gemeinde Mali Jdjos hatte die Kosten für die Rückreise der Kinder im Fernreisebus von Stuttgart nach Subotica übernommen. Er dankt der Heimatortsgemeinschaft Sekitsch / Feketitsch für dieses wunderbare Projekt die Kinder nach Deutschland einzuladen und er hofft sehr, daß es eines Tages auch Jugendliche von den ehemals deutschen Einwohnern gibt, die gerne ein paar Tage beiFamilien in Sekitsch oder Feketitsch sein wollen.Mit diesen freundlichen Worten verabschiedet sich der Bürgermeister R. Csore und wir erwarten die Kinder mit ihren Eltern am nächsten Morgen zur Abreise um 7 Uhr. Wir verbringen noch eine Weinprobe im Weingut von Miklos Lodiund kaufen auch Wein für Zuhause als Andenken an die schönen Tage in der alten Heimat.Das Feuerwerk im Dorf und ein gemütliches Beisammensein im Kulturhaus beschließt den Tag.
Die Ferienkinder aus unseren alten Heimatorten zu Gast in 71404 Korb vom 13. Juni bis 20. Juni 2010
Am Sonntag, 13. Juni pünktlich um 7 Uhr brachten die Eltern ihre Kinder zum Kulturhaus Feketitsch und die Abschiedstränen rollten bei den Muttis über die Wangen. Werden sie ihr Kind doch eine Woche nicht sehen, die Kinder waren sehr tapfer und überspielten ihr Reisefieber. Unsere Gastkinder waren, Dorottya S., 16 J. aus Feketitsch, Mark C. 14 J. aus Hedjesch und das Kücken Biljana B. 13 J. aus Lovcenac. Sie war noch nie von der Familie getrennt und hatte sehr Heimweh, obwohl ihr alles in Deutschland sehr gefallen hat. Dorottya ist die ganze Woche in Subotica an einer Realschule mit Internat. Ihre Interessen sind Sprachen und Kultur der Länder. Sie reist gerne und war für alles sehr aufgeschlossen. Gerne möchte sie mit 18 J. für ein Jahr in die USA um die Sprache zu erlernen. Sie war es auch, die für alle übersetzen mußte, da Mark nur wenig Deutsch kann und Biljana nur Englisch in der Schulelernt. So haben wir alle voneinander lernen können und die Kinder haben gesehen, daß Fremdsprachen sehr wichtig sind. Alle 3 wollen ihre Deutschkenntnisse verbessern und fleißig lernen. Das Programm für die Kinder war sehr vielseitig und wir habenin einer Woche sehr viel unternommen.Ein Besuch im Daimler-Museum und anschließend noch ein Besuch beimVFB Stadion und Mittagessen in der Vereinsgaststätte. Ein Ausflug in die Wilhelma Stuttgart. Der große Tierpark und die herrlichen Pflanzen hatte den Kindern sehr gefallen, zumal sie noch nie einen so schönen Zoologisch-botanischen Garten besucht hatten. Zu diesen beiden Ausflügen hatten sich auch Doris und Gottfried Karbiner angeschlossen. Sie hatten auch das finanzielle für Speis und Trank übernommen. Mark spielt im Fußballverein in Hedjesch, und wir konnten ihm hier in Korb, auch eine Trainingseinheit beim Korber SC vermitteln.Das war eine tolle Sache, zumal ja in dieser Woche auch bei der Fußballweltmeisterschaft Deutschland gegen Serbien spielen mußte und Serbien gewonnen hat. Trotz Ferien sollte auch die Schule nicht zu kurz kommen und so hatten die 3 Kinder auch an einen Schulbesuch in der G+H Schule in Korb. Sie waren im Englisch-Unterricht und hatten auch in Computer-Technik mitgearbeitet. Insgesamt fanden sie es hier an der Schule sehr laut und lebhaft, sie müssen im Unterricht viel ruhiger sein und die Lehrer sind wesentlich strenger und lassen nichts durchgehen. Im Rathaus in Korb hatte ich von der HOG Sek.-Fek. den Besuch der Gastkinder aus der Vojvodina angekündigt und wir hatten eine Besuchszeit mit Kennenlernen und Interview im Bürgermeisteramt.Auch hatte die Waiblinger Kreiszeitung einen Textbeitrag mit Fotos der Kinder gemacht und auch im Korber Gemeindeblatt waren sie mit Foto und Text erschienen. Sie waren sehr stolz, daß sie von ihrer Reise hierher berichten konnten und dass sie als Gäste vom Verein HOG Sekitsch-Feketitsch im Haus von Helga und Peter Eisele wohnen konnten. Es war für alle Beteiligten eine gute Sache, wir hatten viel Spaß und Freude mit den Kindern und der Abschied für die Rückreise ist uns schwer gefallen.Es waren wirklich sehr liebe und nette Jugendliche mit guter Erziehung und sie waren dankbar für alles was wir ihnen haben zukommen lassen. Die guten Rückmeldungen der Eltern und die Freude der Kinder haben uns gezeigt, daß wir mit diesem Projekt in unserem Verein viel für die Jugend in den Gemeinden der alten Heimat tun können.Im Gegenzug sollten eines Tages auch Jugendliche unserer Landsleute nach Sekitsch oder Feketitsch kommen. Wer Interesse hat kann über eine Anfrage beim Verein HOG Sek.- Fek. mehr erfahren.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Helga Eisele geb. Tauss
1. Vorsitzende
Ein Besuch in Sekitsch (Ein Bericht von Horst Wagner ,geb. in Sekitsch)
Nach 66 Jahren schließt sich ein Kreis. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf als ich am Dienstag nach Pfingsten das erste Mal nach der Flucht in Sekitsch war und das Haus meiner Eltern betrat.
Im Oktober 1944 hat meine Mutter, Elisabeth Wagner (geb. Bechtler) und meine Großmutter mit mir, damals 3 ½ Jahre alt, meinen 2 Geschwistern und mit noch anderen Personen Sekitsch mit einem LKW der Wehrmacht verlassen, gerade rechtzeitig bevor die Rote Armee den Ort besetzte.
Ich hatte mich im letzten Jahr viel damit beschäftigt, die geschichtliche Entwicklung von uns Donauschwaben nachzuvollziehen, von der Besiedlung des Ortes bis zur Flucht und der Vertreibung und zu versuchen, die Hintergründe die zu diesem Geschehen geführt haben zu ergründen um das was damals passierte zu verstehen, sofern dies überhaupt möglich ist.
Je mehr ich mich damit beschäftigte desto größer wurde mein Wunsch, den Ort zu besuchen in dem ich geboren wurde und von dem meine Mutter und meine Großeltern immer wieder und mit großer Leidenschaft gesprochen haben, von Sekitsch, ihrer Heimat und auch meiner Heimat, obwohl ich sie damals nicht bewusst erleben konnte.
Begleitet wurde ich von meiner Frau, meinem jüngsten Sohn Gero (31) und einem guten Bekannten, ungarischer Abstammung der in Serbien lebt und mir dabei helfen sollte mit seinen serbischen Sprachkenntnissen.
Schon während der Anfahrt mit dem Auto nach Sekitsch habe ich versucht, die Landschaft in mich aufzunehmen, die endlosen Felder, die dunkle Erde, das flache Land. Und dann sah ich das Ortsschild: Lovcenac. Natürlich wusste ich, warum da nicht mehr Sekitsch draufstand oder Sekic so wie es in meinem Pass steht.
Schließlich hatte ich mich auf den Besuch vorbereitet. Mit der Ortskarte auf dem Stand von 1944 in der Hand, stiegen wir auf dem zentralen offenen Platz (Kreuzung Hauptgasse/Kulaer Gasse ) aus dem Auto. Dieser zentrale Platz hatte jedoch mit dem was ich auf der Karte sah, nichts mehr übereinstimmendes. Jetzt mussten wir uns erst einmal orientieren.
Auf der Karte hatte ich das Haus meines Vaters und meiner Großeltern rot angezeichnet.
Eine junge Frau konnte uns sagen wie wir fahren mussten um die richtige Straße, die Blaza Orlandica zu finden, die auf meiner Karte als die „Tscherwenkaer Gasse“ eingezeichnet ist. Dann standen wir vor einem kleinen Laden, noch unsicher wo diese Häuser nun seien. Wir waren bald umringt von 4 - 5 Menschen, die interessiert die alten Fotos studierten die ich in einer Mappe bei mir hatte. Nach einem längeren Palaver, bei dem ich sehr angespannt war, waren wir im Bild. Ich hatte nur noch ein paar Schritte bis zur Kreuzung zu gehen und dann lag das Haus meiner Eltern vor mir.
Eine ältere sehr überraschte Frau öffnete uns. So langsam taute sie auf und wir konnten uns gut miteinander unterhalten, auch über ihr Schicksal. Es war schon ein besonderes Gefühl mich in einem Garten umzusehen, in dem ich einmal gespielt habe. Anschließend gingen wir zum Haus meiner Großeltern (Georg und Barbara Bechtler), das am anderen Ende der Gasse liegt. Hier wurden wir nach den ersten Erklärungen auch freundlich empfangen und ich konnte endlich den Brunnen im Garten betrachten von dem meine Großmutter immer mit Stolz gesprochen hatte.
Es war mir sehr wichtig den Gedenkstein der Heimatortgemeinde Sekitsch auf dem Weingärtner Friedhof zu besuchen. Während wir noch damit beschäftigt waren uns zu orientieren, hielt ein Auto neben uns und ein junger serbischer Mann stieg aus und kam direkt auf uns zu. Ihn hatten wir Stunden zuvor bei der Suche nach den Häusern kennengelernt. Ich erklärte mit Händen und Füßen mein Anliegen, er informierte sich per Handy und fuhr uns dann voraus zum Friedhof. Gemeinsam besuchten wir die Gedenkstätte. Ich war sehr dankbar für seine spontane Bereitschaft seine Zeit zu investieren um uns den Weg zu zeigen und uns auch auf dem Friedhof zu begleiten.
An einem weiteren Tag besuchten wir Sekitsch noch einmal, diesmal ohne Dolmetscher. Ich wollte mir den Ort noch einmal in aller Ruhe ansehen. Wieder kam es zu einigen spontanen Begegnungen auf der Strasse. Unschlüssig auf einer Kreuzung stehend, welchen Weg wir jetzt einschlagen sollten, sprach uns wieder ein Einheimischer an und fragte ob er uns helfen könnte. Nachdem wir trotz Sprachschwierigkeiten in etwa den Grund unseres Besuches erklärt hatten, wollte er dass wir unbedingt zu seinem Freund mitkommen sollten. Wir haben uns darauf eingelassen ohne zu Wissen was auf uns wartete. Wir landeten im Hof eines Hauses in dem in mehreren Räumen ein Museum entsteht über das Leben unserer Vorfahren in Sekitsch. Dieses ist im Aufbau und wie wir erfuhren ist es von einer Familie Haug initiiert.
Bei unserem weiteren Rundgang kamen wir dann noch mit einem weiteren Mann ins Gespräch. Dieser sprach etwas Deutsch und es stellte sich heraus, dass er gegenüber dem Haus meiner Großeltern wohnt. Er hatte uns bei unserem ersten Besuch gesehen und uns dann spontan auf der Strasse angesprochen. Bei einem gemeinsamen Kaffee lernten wir dann auch noch Herr Radomir Nicolic kennen, den 2 Vorsitzenden des Vereins „Neuer Anfang“ der die Zusammenarbeit zwischen den früheren Donauschwäbischen Dorfbewohnern und ihren Nachkommen und den jetzigen einheimischen Bewohnern fördern soll.
Dieser Besuch hat mich insgesamt sehr berührt, da ich erstmals einiges von dem in Realität sehen konnte, was ich bisher nur aus den Erzählungen meiner Mutter und Grosseltern, aus den Sekitscher Bildbänden und dem Buch „Sekitsch“ erlebte Heimat“ kannte. Dazu trugen auch die Gespräche bei die bei den verschiedenen spontanen Begegnungen geführt wurden. Das Interesse das ich Sekitsch schon immer entgegengebracht habe hat sich bei diesem Besuch verstärkt und es ist mir klar geworden, dass dies nicht mein letzter Besuch in Sekitsch – meinem Heimatort - gewesen sein wird.
Feiertag der Ansiedlung von Feketitsch am 12. und 13. November 2010
Nachfolgend mein Reisebericht über die Tage und die Stimmung in Feketitsch.
Als Nachkommen der deutschen Ansiedler waren wir, die Heimatortsgemeinschaft Sekitsch-Feketitsch eingeladen diese Tage mit den weiteren geladenen Gästen und der Gemeinde Feketitsch zu feiern.
Unsere Reisegruppe bestand aus Sekitschern, da leider keine Mitreisenden aus Feketitsch sich gemeldet haben, bzw. teilnehmen konnten. Diese waren: Helga u. Peter Eisele, Oswald Hartmann u. Marta Wolf, Doris u. Gottfried Karbiner, Nikolaus Sieler.
Zu uns kam am Freitag noch auf Besuch die ehemalige Gastschülerin der Familie Karbiner. Tamara kommt aus Niš (Serbien) und war über ein Schuljahr zu Gast in Deutschland. Ihr hat es in Deutschland sehr gut gefallen und sie gab bereitwillig Auskunft für andere Jugendliche in Feketitsch, welche sich auch für ein Schuljahr in Deutschland interessieren. Innerhalb eines Jahres hat sie die deutsche Sprache sehr gut gelernt, und sie fühlte sich in unserer Sekitscher Gruppe sehr wohl. Das Schicksal der Donauschwaben und deren Vertreibung aus Sekitsch und Feketitsch, und die Neuansiedlung der Bürger aus Montenegro hatte sie bereits bei ihrem Gastaufenthalt durch Gottfried Karbiner erfahren. Die Gemeindeverwaltung in Feketitsch erwartete von uns einen Beitrag zum kulturellen Programm und eine Ansprache der Vorsitzenden in deutscher Sprache.
Unseren Beitrag zu der Veranstaltung am 12. November 2010 mußten wir kurzfristig planen und so haben wir der Kindertanzgruppe die Noten und Texte von deutschen Kinderliedern geschickt und innerhalb von nur 3 Wochen lernten die Kinder jeweils ein Lied und wollen auch weiterhin diese Lieder in ihr Programm aufnehmen.
Mit meiner Rede erinnerte ich an die Ansiedlung der Deutschen vor 190 Jahren in Feketitsch. Unserer Feketitscher Landsleute mußten ihre alte Heimat verlassen und in eine ungewisse Zukunft gehen.
Wir, die Nachkommen der damaligen Siedler wollen die Erinnerung an die alte Heimat erhalten, aber auch in der heutigen Zeit kommen, um zu erleben wie es jetzt hier ist, und wie die Menschen heute hier leben.
Unsere Bitte an die Leser, daß Sie sich auch weiterhin für die Zusammenarbeit im Verein der HOG Sekitsch-Feketitsch interessieren und auch mit aktiver Zusammenarbeit ihren Beitrag leisten.
Liebe Grüße, Helga Eisele
1. Vorsitzende
Eine Erinnerungsreise nach Sekitsch, vom 28.April bis 5.Mai 2011
Die Cousins Karl-Heinz Tauss mit seiner Frau Hanne und Manfred Hunsinger mit seiner Frau Gudrun, wagten einen Besuch in der alten Heimat, ahnend, dass es der letzte sein würde. Nach etwa 3-stündiger Fahrt vom Belgrader Flughafen aus im Leihwagen über holprige Straßen, durch Dörfer mit schönen Kirchen, aber auch verfallenen Fassaden, erreichten wir Feketitsch. Wir nächtigten in der Pension "Pipacs", die eingebettet in blühende Tamarisken am Ortsausgang auf Gäste wartet. Der Kuckuck begrüßte uns am nächsten Morgen und stimmte uns heiter. Karl-Heinz'Elternhaus (Bild 1), in dem sich einstens auch die Arztpraxis seines Vaters befand, liegt gleich am Anfang des Ortes Sekitsch, heute Lovcenac. Das graue, äußerlich vernachlässigte Gebäude wirkte als ob niemand mehr darin wohnte. Das Tor war geschlossen, der Briefkastenschlitz geöffnet. Er gewährte einen verstohlenen Einblick in den Hof: Holz, ein altes Auto, viel Herumliegendes. Es ist schon ein eigenartige Gefühl, vor dem eigenen Haus zu stehen und sich wie ein Voyeur zu fühlen. Karl-Heinz zeigte auf ein Fenster, hinter dem einst das Schlafzimmer seiner Eltern lag. Dort starb seine junge, schöne Mutter und Karl-Heinz erinnerte sich, wie er als Vierjähriger seiner Mama ein Liedchen vorgesungen hatte, als diese krank im Bett lag. Er weiß es noch ganz genau, sogar w o das Bett stand. Gelebtes Leben, plötzlich wieder präsent! Wir blieben draußen, wurden nicht hinein gebeten, obwohl wir wahrscheinlich beobachtet wurden. Die Mauern wiesen uns ab als wollten sie sagen: "Geht weiter! Eure Zeit ist vorbei, ihr habt hier nichts mehr verloren".
Ein letzter wehmütiger Blick und wir lösten uns.
Gleich nebenan, hinter einem kleinen, grün gestrichenen Gehöft, führt ein Weglein hinauf auf einen Hügel. Einst rutschten unsere "Buben" hier auf dem Schlitten bergab. Nun präsentierte sich der Hang im Maiengrün, übersät mit buntem Blumenflor. Oben prangt mittlerweile eine schöne neue Orthodoxe Kirche (Bild 2) neben einem kleinen Behelfskirchlein. Tage später stattete ich dort einen Besuch ab, ganz alleine. Ein freundlicher Kirchendiener gewährte mir Einblick in das im Inneren noch im Bau befindliche Gotteshaus. Auf dem Weg hinunter konnten wir in einen kleinen Hof mit alten Schweineställen sehen (Bild 3), in ein Ziegengehege und einen wohlbestellten Gemüsegarten. Alle Gärten zeugen davon, dass hier vor allem Selbstversorger leben. Sekitsch, einstens wohlhabend, ist heute Lovcenac, ein armes Dorf. Viele junge Leute haben keine Arbeit, keine Zukunft. In Mali Idjos frühstückten wir: Gebäck aus einer ungarischen Bäckerei und dazu Kaffee in einem serbischen "kafana" bei griechischer Musik. Kurz danach nahm uns ein Kleinlaster die Vorfahrt und Karl-Heinz meinte lakonisch:"So, das w a r unser Urlaub!"
Zum Glück folgten noch andere Tage voller Erinnerungen und Erlebnissen. An diesem Tag lernten wir den serbischen Bürokratismus kennen. Sechs Polizisten fanden bei unserem Unfall Beschäftigung. Das Krankenhaus und als Schlussakkord das Gericht in Backa Topola füllte danach den restlichen Tag aus. - Verlorene Zeit, aber auch Einblick in andere Strukturen! Auf dem abendlichen Gang zum Essen im Gasthaus "Putnik" in Feketitsch hupte lustigerweise einer der Polizisten und winkte uns freudig zu. Wie schnell man doch Freunde gewinnt! Noch am selben Abend bekamen wir ein neues Auto. Das zumindest funktionierte reibungslos. Am Tag darauf begleitete uns eine sympathische junge Frau - Andrea Kelemen -, die Manfred ein paar Jahre zuvor auf einer Sekitschfahrt kennen gelernt hatte. Sie spricht gut Englisch, Serbisch und Ungarisch und machte so Gespräche mit Einheimischen möglich. Gemeinsam marschierten wir am Brunnen vorbei (Bild 4), an dem die Lovcenacer ihren Wasservorrat zapfen. Er steht am Kreuzungspunkt im Zentrum des Ortes.Auch wir füllten unsere Fläschchen und steuerten auf das Haus zu, das einstens eine florierende Gastwirtschaft beherbergte: Hunsingers Wirtshaus (Bild 5), zugewachsen mit Brennesseln und Löwenzahn, bröckelnde Fassade, eingeknicktes Dachgebälk, kurz vor dem Zusammenfall. Ein wahrhaft trauriger Anblick! 1985, als wir mit den Schwiegereltern dort waren, konnte man das Haus noch betreten, wenngleich es auch schon vernachlässigt war. Jetzt aber ist es eine brüchige Ruine. Manfred und ich ließen es uns nicht nehmen, am letzten Abend durch ein zersplittertes Fenster einzusteigen (Bild 6), da die Eingangstür mit einem Schloss verriegelt war. Die stattlichen Säulen im Hof stehen noch, tragen aber nur mehr zum Teil das Dach. Die Böden der Gemächer, offensichtlich ihrer Kacheln beraubt, sind schmutziger, aufgewühlter Lehm. Hinterlassenschaften in Form von leeren Flaschen und Unrat liegen herum, sind Spuren ungebetener Gäste. Manfred steht traurig und fassungslos inmitten seines verlorenen Erbes. Er sieht sich als Kind unter dem Billardtisch sitzen, während die Erwachsenen oben ihrem Vergnügen nachgehen. Das war die Küche, dies der Tanzsaal..., hier ging es hinab in den Vorratskeller und da hinauf in den Speicher. Er zeigt mir die Stelle, wo seine Tauss-Großmutter aufs Fensterbrett gestützt ihren täglichen Spaziergang mit den Augen machte bis diese zufielen und ein Schlappen nach dem anderen zu Boden fiel. Alles wieder lebendig im Augenblick der Erinnerung!. Aber die Gegenwart holte uns zurück. Ein schwieriger Ausstieg, bewacht von Hanne, lag noch vor uns. Endgültiger Abschied! Das Haus wird in sich zusammenfallen und bald wird sich niemand mehr in Lovcenac daran erinnern, wenn vielleicht ein anderes Gebäude seine Stelle eingenommen hat. So wie auf jenem Gelände, wo einst die Hunsingersche Mühle stand. 1985 standen ihre Mauern noch. Alle Maschinen und brauchbaren Materialien wurden angeblich "von denen da unten" weggeschafft. Irgendwann in den Jahren danach wurde das Gehäuse der Mühle abgerissen. Ein Ziegelbau - vor etlichen Jahren erstellt - steht als Rohbau auf dem Mühlengelände. Der Rest des Grundstücks ist Wildnis. Von einem Haufen alter Dachziegel entnahmen wir einen. Erinnerung an die großelterliche Mühle passt nun in eine Hand! Ein Nachbar, nahe des Hunsingerschen Gasthauses, Herr Nedeljko (Bild 7), lud uns in sein Haus ein. Es war einstens "Zweite Reihe Nr,487 und gehörte David Bensinger. Der gastfreundliche Serbe war erst 2 Jahre alt als seine Eltern 1946 nach Sekitsch verfrachtet wurden. Heute lebt er mit Frau und Tochter und Enkeln in diesem schönen Haus. Er ist sich - das habe ich gespürt - der "Schuld" des Geschehens bewusst, wollte durch seine freundliche Geste "gut machen". Aber was kann e r dafür? Er wuchs hinein in eine Situation, die der Krieg ausgelöst hatte. Was bringt es, "Schuld" gegenseitig aufzurechnen?! Die Leidtragenden sind Unschuldige, von Machthabern manipulierte Menschen, ein ganzes Volk. Die Gärten in den Höfen sind ebenso wie die Felder wohlbestellt. Weinlauben ranken über Pergolen. In den Beeten wachsen Salate, Gemüse und Blumen. Aus den Trauben wird eigener Schnaps hergestellt. "Shiveli", Prost! Eine Flasche wurde uns mit auf den Weg gegeben. Mit unserer Wegbegleiterin Andrea fuhren wir zum Essen in ein im Grünen gelegenes Restaurent "Capriolo" in der Nähe von Backa Topola. Viele Fragen wurden gestellt, manche beantwortet. Letztlich bleibt Vieles offen, unbegreiflich, fremd. Und dennoch: Menschen, die sich aus den Gegebenheiten ihr Schicksal basteln, manche couragiert und erfolgreich, andere ergeben. Im milden Licht der Abendsonne fuhren wir noch hinauf zum Friedhof, wo wir am Gedenkmal (Bild 8) für alle verstorbenen Sekitscher einen Wildblumenstrauß in die Vase steckten und jeder auf seine Weise das tragische Schicksal der deutschen Gemeinde in Serbien bedachte, beweinte. Karl-Heinz meinte:"So liegt wohl meine Kato (=Mutter) auch hier begraben". Der Blick hinunter ins "Tellerle" Sekitsch mit der alles überragenden Orthodoxen Kirche zeigte intakte Dächer, aber auch zerfallende. Unsere Wege trennten sich. Karl-Heinz und Hanne zog es noch einmal zurück zum Elternhaus, dessen Bewohner den Besuch verweigerten. Manfred und ich stiegen in die alte Ziegelei ein, wo ich mir aus dem Lehmhang ein paar Brocken des gelblich-ockerfarbenen Lehm-Sand-Gemisches herausbrach. Ein kleines "Sekitsch-Memorial" soll daraus entstehen. Wir bestaunten die alten Dächer der Trockenanlagen für Ziegel. Die Natur hat sich bereits zurück geholt was ihr einst gehörte. Nesseln und Wildkräuter überwuchern das Gelände. Im Inneren der Brennanlage bestaunten wir die gewölbten Gänge, die im Abendlicht so friedlich ihre Schatten warfen. Durch enge, alte Gassen erreichten wir wieder Manfreds Elternhaus. Spuren des Artesischen Brunnens (Bild 9)liegen in einem grünbewachsenen Graben verborgen. Klein-Manfred hatte hier seine kindlichen Verstecke. Über ein Bächlein gelangten wir auf die Straße. Merkwürdig, ein solch kleines Areal birgt so große Erinnerungen!
Am Abend vor dem 1.Mai dröhnte Musik von einer kleinen Kerwe in unser Zimmer. Menschen vergnügten sich, ein Ausgleich zum doch recht tristen Alltag! Der 1.Mai bescherte uns Regen und gleich wurde es kühler. Im Hof der Pension Pipac kochte Gulasch in einem großen gusseisernen Topf über einem improvisierten Feuer. Man erwartete viele Gäste, aber das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. Offensichtlich war noch viel Gulasch übrig, so dass auch wir bei unserer Rückkehr am Abend noch etwas davon abbekamen. Vrbas war unser Ziel am 1.Mai. Dort liegen die Wurzeln von Karl-Heinz' Familie, mütterlicherseits. Seine Mutter Kato war eine geborene Molter. Der Großvater Molter lebte in einem schönen Haus, war Beamter. Heute verkommt dieses Haus (Bild 10), steht versifft zwischen zwei renovierten Häusern. Man hat es einer Nachfahrin zum Kauf angeboten, nachdem die letzte Bewohnerin, die auch aus Montenegro gekommen war, starb. Nun soll für geraubtes Gut von den rechtmäßigen Besitzern gezahlt werden. Verrückt! Ein kleiner Rundgang unter der Führung von Karl-Heinz, vorbei an einer großen Villa, die einst der Familie Baier gehörte, eben Karl-Heinz’ Verwandten, führte über einen lauschigen Platz, eine bestimmte Villa suchend, die bei Kriegsende als Lager diente. Unzählige Kinder waren darin zusammengepfercht. Gegenüber in etwa 3-4 Gebäuden waren etwa 800 Erwachsene untergebracht. Die Villa existiert nicht mehr. Karl-Heinz war aufgeregt. Bittere Erinnerungen kamen hoch. Im Lager waren seine Großeltern Molter, deren Tochter - Schwester von Karl-Heinz' Mutter - und zwei ihrer vier Kinder an Hungertyphus gestorben. Zoltan und Judith blieben übrig. Als Karl-Heinz seiner Cousine Judith begegnete, die nach langen Jahren in Deutschland nach Vrbas zurückgekehrt ist, flossen Tränen. Das Schicksal der Donauschwaben liegt wie ein Schatten über allem. Den Tag in Vrbas beschlossen wir an der alten Mühle des "Schari" (Bild 11), Judiths Vater. Sie zerfällt ganz langsam. Nicht weit davon entfernt liegt der Friedhof. Menschen verschiedener Nationalitäten fanden dort ihre letzte Ruhe.
So viele Geschichten, Eindrücke, Gespräche!
Am 2.Mai kam zum Glück wieder die Sonne heraus. Nach dem Frühstück in einem "kafana" trennten sich unsere Wege. Manfred ging auf Fototour, wollte Häuserfronten fotografieren, um sie später mit den ursprünglichen zu vergleichen. Ich stillte meine Neugier alleine. Nach dem Besuch der Orthodoxen Kirche bog ich zum Bächlein Kriwaja ab (Bild 12). Der Name hatte mich von Anfang an fasziniert. Er klingt so lieblich, unschuldig. Die Kriwaja schlängelt sich durch Sekitsch in idyllischen Windungen mit einem grünen Ufersaum. Sie floß hier bevor die Siedler kamen, sie wird fließen, wenn Menschen die Erde verlassen haben. Aber noch umgibt sie Leben. Mein Weg führte vorbei an einfachsten Hütten, müden Hündchen, alten Leuten, bestellten Gärten, aber auch brach liegenden Streifen. Ein paar Männer versuchten vom Schilf aus ihr Anglerglück. Welche Fische wohl in der Kriwaja leben? Ein Weg, direkt am Wasser entlang, existiert offensichtlich nicht. So schlug ich verwinkelte Weglein ein. Da und dort kam ein renoviertes Haus zum Vorschein. Aber ich sah auch viel Begonnenes und Liegengelassenes. Mein Weg führte an der Peripherie von Sekitsch entlang. Vor den Häusern wachsen Kirschbäume. Aus den Erzählungen der Schwiegereltern weiß ich, dass es früher Kugelakazien waren. Drei Brücklein über den Bach überquerte ich. Zwei fabrikähnliche Gebäude, eines davon vielleicht ein Schlachthof, lagen an meinem Weg, der mich langsam zurück ins Zentrum führte. Im "kafana" schallte orientalisch anmutende Musik aus den Boxen. Junge Männer bevölkerten die Kaffeeterrasse mit großen Gesten sich umarmend, rauchend, Kaffee trinkend. Über was sie sich wohl unterhielten? Der muskeltrainierte Wirt betreibt im Hinterhaus ein Fitness Center mit vielen blitzenden Trainingsgeräten. So findet doch dieser und jener seine Betätigung. Als Manfred wieder zu mir stieß, erkundeten wir gemeinsam die andere Seite von Sekitsch, jenseits der Hauptstraße. Viele schöne alte Fassaden mit Jugendstildekor, zum Teil frisch gestrichen in fröhlichen Farben, verzieren die Häuser, die sich links und rechts der Straße den Hügel hinauf winden. Ein Ehepaar aus Montenegro lud uns ein in ihr schön renoviertes Haus. Sie hatten es vor Jahren selbst gekauft, nachdem die nach dem Krieg darin Wohnenden wieder zurück in ihre Heimat wollten. Nun, da die Kinder nach ihrem Studium weg sind, wollen auch diese beiden Menschen zurück zu ihren Wurzeln in Montenegro und das Haus steht wieder zum Verkauf für relativ wenig Geld. Ja, wäre es Manfreds Elternhaus in diesem gepflegten Zustand - wer weiß - aber was sollten wir dort? Alles Vertraute, einst Geliebte, ist verschwunden.
Unsere Gastgeber müssen fleißige Leute sein. Alles war sauber und geordnet. Mit Stolz zeigte mir die Hausfrau ihre Räume, die hell im nachmittäglichen Licht lagen. Ein wunderschöner Kachelofen bildet das Herzstück des Wohntrakts. In einem Vorratsraum, den man vom Innenhof aus betreten konnte, sind noch Futtertröge aus Stein mit eingelassenen Ringen zum Anbinden der Tiere, alles frisch gekalkt, heimelig. Da war auch die obligatorische Weinlaube, ein Brunnen, ein wohlbestelltes Gärtchen. Ich bekam ein Sträußchen Maiglöckchen gepflückt und später aus der Vorratskammer im Inneren des Hauses ein Glas eingelegte Pflaumen. Man wollte uns noch bewirten, aber es zog uns weiter, vorbei an großen und kleinen Häusern, teils hergerichtet, teils vernachlässigt. Viele Gassen erstrecken sich über den Hügel. Sekitsch ist größer als ich es mir vorgestellt hatte. Wir liefen auch am Elternhaus meines Schwiegwervaters vorbei, in dem Manfreds Hunsinger-Großmutter 9 Kinder a l l e i n e großzog nach dem frühen Tod ihres Mannes. Manfred öffnete einfach das Tor und wir erkannten wieder den alten Ziehbrunnen. Da sich niemand zeigte, zogen wir uns wieder zurück. Weiter unten, neben dem heutigen Kindergarten, steht das Bendersche Haus, in dem Manfreds Cousins Reini und Lore geboren wurden. Reini lebt heute mit Frau Anni in Arizona. Sie haben ihre Heimat nie wieder gesehen. Der heutige Bewohner bat uns hinein in seinen Garten. Da wir des Serbischen nicht mächtig sind, blieb es eine Verständigung mit Gesten. Auf einem altersschwachen Bänklein - im Hintergrund die Schreinerwerkstatt von Reinis Vater, der im Krieg blieb - saßen wir dann noch eine Weile, hätten gerne so viel gewußt, aber... Der Weg führte uns noch einmal nach Mali Idjos zu einer ehemaligen Schulkameradin von Manfred, die nach dem Krieg geblieben war. Sie lebt alleine in einem einfachen Häuschen, konnte sich nicht an Manfred erinnern, freute sich jedoch über den unverhofften Besuch. Ihre Nachbarn, frisch zugezogene Schwaben, die sich ihr Haus gekauft haben und mit westlichem Standard ausgestattet, wollen den Lebensabend hier verbringen, zumal die Ehefrau bis 1970 mit ihren ungarischen Eltern in Mali Idjos gelebt hat. Der Großvater sei Donauschwabe gewesen. Die deutsche Rente erlaube in Serbien ein Leben, das in Deutschland nicht möglich wäre. Ein Beispiel: Eine Masseurin kommt ins Haus und verrichtet ihr Werk für 4 Euro. Wir ließen den Tag bei Palatschinken in einem Landgasthof ausklingen. Viel Stoff für Gespräche und ein wehmütiges Gefühl, weil Abschied genommen werden musste. Unsere Männer waren zurückgekehrt, nicht wirklich angekommen, weil alles so fremd geworden ist. So verließen wir unsere Pension nach fünf ausgefüllten Tagen. Über die Fruska Gora, einem Wald- und Hügelgebiet, in das sich im 15. und 16. Jahrhundert serbische Mönche geflüchtet hatten und dort ihre Klöster bauten, ging die Fahrt zurück nach Belgrad. Dem Kloster Krusedol (Bild 13)statteten wir einen Besuch ab. Lange bestaunten wir die orthodoxen Fresken, entzündeten Kerzen für alle und alles was uns am Herzen liegt. In einem netten Lokal "Restoran Sumski Raj", das wir auf holprigen Wegen erreichten, aßen wir landestypische Wurst und waren satt als das Hauptgericht kam, Fleisch aller Art. Der etwas enttäuschte Wirt packte uns alles ein. Noch ein Stopp im ehemaligen Karlowitz, das an den Ausläufern der Fruska Gora liegt, ein Badeort mit Flair. Unser Hotel im lauten, verkehrsreichen Belgrad, erreichten wir recht abenteuerlich. Träge Polizisten machten keinen Hehl daraus, uns nur ungern oder gar nicht Auskunft geben zu wollen. Belgrad, das mit seinen Plattenbauten noch sehr an die kommunistische Zeit erinnert, hat noch einen langen Weg vor sich, um europäisch zu werden. Viele bröckelnde Fassaden, viel Unrat auf den Straßen. Da hilft auch keine Einkaufs-Prachtstraße mit allen Markenartikel der kunsumorientierten westlichen Welt!Eine Stadtrundfahrt war nicht möglich. Smarte Hostessen in einem leeren Büro ließen uns wissen, dass man diese rechtzeitig anmelden müsse - und außerdem sei ja schlechtes Wetter. So erkundeten wir auf eigene Faust - so weit es unsere Kraft zuließ - den Hügel oberhalb unseres Hotels, gelangten schließlich an die F e s t u n g s a n l a g e und erfreuten uns am Blick auf den Zusammenfluss von S a v e und D o n a u (Bild 14). Es war kalt und wir froren.
Wir trafen uns zum Abschiednehmen mit unseren Schicksalsgefährten in einem nahe gelegenen Restaurant. Fast alle leckeren Gerichte, die in der Speisekarte angeboten wurden, gab es an diesem Abend n i c h t. So labten uns Hanne und ich an einer Flasche Rotwein, die ihre Wirkung tat. Als wir ein Abschluss-Resumee suchten, meinte Hanne, dass sie ja geahnt habe, worauf sie sich einlassen würde. Aber so viel Tristesse habe sie doch nicht erwartet. Jedoch versteht sie es, allem immer wieder eine positive Seite abzugewinnen. Wir wollen keine Schuld zuweisen, das steht uns nicht zu. Solange Menschen auf diesem Planeten leben, wird es Unrecht geben. Es liegt am Einzelnen, s e i n e n Beitrag zum Frieden zu leisten im kleinen Kreis. In uns sind nun Bilder, die immer einmal wieder hervorkommen werden. Aber wir wissen, dass es ein endgültiger Abschied war.
(Text:Gudrun und Manfred Hunsinger)
Der nachfolgende Bericht ist dem Sekitscher Bote Nr.3 vom März 1978 entnommen. Dieser Sekitscher Bote stammt aus dem Nachlaß von Herrn Dr.Georg Böhm und wurde eingereicht von Herrn Dipl.Ing. David Taus, geboren in Sekitsch 1936. Er erinnert sich selbst noch an die Zeit als die Kinder zu Gast in Sekitsch waren.
Die Stimme eines Kinderlandverschickten
Adolf Janssen aus 2971 Hinte bei Emden schreibt am 17.12.77:
„Über meinen Zwillingsbruder Horst-Werner in Elsfleth erhielt ich vor einigen Tagen das schöne Buch – Sekitsch, erlebte Heimat. -
Mein Zwillingsbruder und ich waren mit der Kinderlandverschickung für ein halbes Jahr von Anfang Oktober 1943 bis Anfang 1944 in Ihrem schönen Ort. Wir waren wie eigene Kinder bei der Familie Heinrich Hunsinger untergebracht. Weiterhin wurden wir ständig bei der Familie Heinrich Jantzen eingeladen, mit deren Sohn Jakob wir noch in Verbindung stehen. Beide Familien haben unendlich viel für uns getan, um uns diese Zeit zu verschönen. Durch sie durften wir eine unvergeßliche und erlebnisreiche Zeit verleben. Auch mit Frau Hunsinger (jetzige Frau Schandek) stehen wir noch in brief- licher Verbindung.Der schöne Ort mit seiner beispielhaften Sauberkeit, das gute Essen und nicht zuletzt die lieben Menschen werden uns immer in schöner Erinnerung bleiben.Es ist erschütternd zu lesen, welche unsagbaren Leiden Ihre Lands-leute erleben mußten und aus ihrer Heimat vertrieben wurden, nur weil sie sich zu ihrem Deutschtum bekannten und auch dafür ein-traten. Daß diese Peiniger und deren Auftraggeber sich nicht verantworten brauchen, ist eine bittere Ironie. Ich bewundere Ihre Landsleute und deren Vorfahren, wie sie aus Sumpf und Ödland eine blühende Landschaft schufen und auch nach der Vertreibung nicht verzagt haben und sich mit beispielhafter Beharrlichkeit durch Fleiß und Tüchtigkeit einen neuen Anfang geschaffen haben.
Freundliche Grüße: Adolf Janssen


